Mit Grüßen von Wagner
OGM in St. Johannis

Mit außergewöhnlichen Programmen versteht es das Orchester Göttinger Musikfreunde (OGM), Neugier zu wecken. Eine Uraufführung und ein Werk des Münchner Musikers Peter Joseph von Lindpaintner (1791 – 1856) eröffneten den Abend am Sonntag in der Göttinger Johanniskirche – im Schlussstück, Beethovens zweite Symphonie, war man dann wieder auf vertrautem Terrain.

Nichts geklaut

Christian Hammer, der das Orchester lange Zeit geleitet hatte und der jetzt als Dirigent in Rostock wirkt, war für dieses Projekt wieder zu seinen Göttinger Freunden gereist. Er hatte ihnen eine Komposition auf den Leib geschrieben: die Ouvertüre „L’Avent“ über den Adventschoral „Es kommt ein Schiff geladen“. Schnell wurde deutlich, dass sich der Komponist sehr gut im Repertoire auskennt: Hier steuert das Schiff einen Wagnerschen Hafen an, dort grüßt aus der Ferne die Moldau. Doch geklaut im üblen Sinne war nichts. Hammers Begegnungen mit der Musikgeschichte zeugten von Einfühlsamkeit und Sinn für wirkungsvolle Effekte.

Lindpaintners Sinfonia concertante ist zwar musikalisch etwas harmlos und unverbindlich, bietet aber den Bläsersolisten viele Möglichkeiten, ihre Virtuosität zu zeigen. Die nutzten Bettina Lange-Malecki (Flöte), Wolfgang Glatzel (Oboe), Marieke Hopmann (Klarinette), Endre Toth (Horn) und Michael Gutsch (Fagott) nach Kräften und wurden nach dem Finale zu Recht aus vollem Herzen beklatscht.

Bis an die Grenzen

War der Dirigent schon bis hier in seinen Anforderungen an das Orchester nicht zimperlich gewesen, so trieb er die Musiker in Beethovens Symphonie D-Dur bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Derart frische Tempi sind für Liebhabermusiker nicht immer zuträglich; zudem wurden die Streicher immer dann etwas ängstlich im Ton, wenn ihr Part besonders schwierig war. Dass die Konturen etwas verschwommen blieben, hing aber auch mit den akustischen Tücken des Kirchenraumes zusammen, dessen Nachhall manches Detail verschleierte. Dass die Holzbläser nicht immer gleichen Tonhöhenvorstellungen folgten, ist davon allerdings unabhängig und wäre mit einiger Mühe auch zu korrigieren. Die zahlreichen Zuhörer applaudierten zum Schluss ausgiebig.

Michael Schäfer
Göttinger Tageblatt, 7.12.2004