Peter Josef von Lindpaintner hinterließ an die 500 Kompositionen, darunter 21 Opern, Schauspielmusiken, allein 12 Hornkonzerte und etliche weitere Bläserkonzerte, Oratorien und Vokalmusik. Doch trotz dieses umfangreichen Schaffens zählt er zu den zahlreichen Komponisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die heute nahezu unbekannt sind.

Geboren in Koblenz am 8. Dezember 1791, wenige Tage nach Mozarts Tod, wurde er während seiner Schulausbildung an der katholischen Jesuitenschule in Augsburg auch auf dem Klavier, der Violine und im Generalbass unterrichtet. Im Alter von 18 Jahren konnte er durch ein kurfürstliches Stipendium eine kompositorische Ausbildung in München bei Peter von Winter aufnehmen, dem damaligen Hofkapellmeister. Es folgten Studien bei Joseph Grätz, dem "rühmlichst bekannten Contrapunktist und einzigen gründlichen Kenner der Musik in München", wie es in einem zeitgenössischen Text heißt. 1812 übernahm Lindpaintner 21-jährig die Stelle eines Musikdirektors am neu erbauten Isartortheater und folgte 1819 dem Ruf als königlicher Hofkapellmeister und Nachfolger Johann Nepomuk Hummels nach Stuttgart. Trotz einiger anderer Angebote behielt Lindpaintner dieses Amt bis 1856 und formte die Stuttgarter Hofkapelle in dieser Zeit zu einem weitgerühmten Klangkörper: Berlioz nannte ihn in seinen Memoiren den neben Spontini vielleicht "besten Dirigenten". Und als Mendelssohn im November 1831 Stuttgart besuchte, schrieb er wenig später in einem Brief an seinen Lehrer Carl Friedrich Zelter: "Der Lindpaintner ist, glaub' ich, jetzt der beste Orchesterdirigent in Deutschland; es ist, als wenn er mit seinem Tactstöckchen die ganze Musik spielte". Einige Jahre vor seinem Tod wurde Lindpaintner zum musikalischen Leiter der renommierten Niederrheinischen Musikfeste ernannt und als Gastdirigent der New Philharmonic Society nach London berufen. Er starb 1856 in Nonnenhorn am Bodensee.

Lindpaintner stand als Künstler im Spannungsfeld zwischen Komponist und Kapellmeister in einer Zeit, als eben jene Doppelfunktion ihre geschichtliche Bedeutung verlor und der Begriff der "Kapellmeistermusik" durch die Polemik Richard Wagners, nicht zuletzt auf Lindpaintner selbst bezogen, zu einem Schimpfwort wurde. Nicht nur als Orchestererzieher sondern auch als Komponist, dabei hin- und hergerissen zwischen Auftragsarbeiten und "freier" Komposition, erntete Lintpaintner großen Respekt; Berlioz suchte seinen Rat, Robert Schumann begrüßte ihn gar als Hoffnungsträger der deutschen Oper nach Carl Maria von Weber. Eine dieser Opern, "Der Vampyr", wird im Juni 2005 nach 150 Jahren erstmals wieder zu sehen sein: Die Opernbühne Bad Aibling plant derzeit eine szenische Produktion dieses Werkes, das noch vor der gleichnamigen, bekannteren Oper Heinrich Marschners entstand und mit dieser nach seiner Uraufführung im Jahre 1828 über beinahe drei Jahrzehnte hinweg auf deutschen Spielplänen konkurrierte.

Die Sinfonia concertante zeigt in den farbigen und viele melodische Einfälle präsentierenden Partien des oft virtuos eingesetzten Bläserquintetts, dass Lindpaintner mit den technischen Möglichkeiten und den klangspezifischen Eigenschaften der Holzbläser gründlich vertraut war und einen effektvollen Bläsersatz beherrschte.

Text: Marike Hopmann