Das Klavierkonzert B-Dur KV 595 ist Mozarts letztes Werk dieser Gattung, und wäre nicht sein Freund, der Wiener Klarinettist Anton Stadler gewesen, bei dem er in der Pflicht stand und dem er wunschgemäß ein Klarinettenkonzert schrieb, dann wäre es wohl auch sein letztes Orchesterwerk geworden. Von den mehr als 20 Klavierkonzerten schrieb Mozart, der seinen Zeitgenossen vor allem als Pianist bekannt war, den Großteil für eigene Auftritte. Seinen Ruf als herausragenden Klaviervirtuosen hatten schon die Konzertreisen des Wunderknaben begründet, und zahlreiche zeitgenössische Berichte bestätigen, dass er ein unvergleichlicher, geradezu begnadeter Pianist war. Die Musikstadt Wien, wo er seit Mai 1781 ohne jede Anstellung lebte und allein auf sich und sein Können gestellt war, eroberte er sich vor allem auf dem Klavier und beeindruckte sein Publikum als "Compositeur", der selbst schrieb, was er so herrlich spielte. Während der Saison 1783/84 hatte er allein in der Fastenzeit zwei Dutzend solistische Auftritte zu absolvieren. Die Wiener Gesellschaft drängte sich zu seinen Konzerten, und er hatte alle Hände voll zu tun, stets neue Werke zu Papier zu bringen, die man bei diesen Gelegenheiten von ihm erwartete. "... sie können sich leicht vorstellen, daß ich nothwendig Neue Sachen spiellen muß", schrieb Mozart am 3. März 1784 an seinen Vater, "da muß man also schreiben", obwohl "der ganze vormittag den scolaren gewidmet" ist "und abends hab ich fast alle tage zu spiellen." Hatte er in den drei Jahren 1784-86 insgesamt zwölf Klavierkonzerte geschrieben, folgten später jedoch nur noch zwei "Nachzügler": 1788 das Krönungskonzert D-Dur KV 537 und im Januar 1791 - zehn Monate vor seinem Tod - das letzte Konzert in B-Dur KV 595.

Da allerdings befand er sich schon seit längerem in einer desolaten Lebenssituation, die von herben Enttäuschungen, extremen Rückschlägen und starken Vorbehalten seiner Person gegenüber geprägt war. Seine Stellung im Wiener Musikleben war längst zweitrangig. Ab1787 nämlich wendete sich das Blatt, man hatte sich an seinen Konzerten sattgehört, das Publikum blieb mehr und mehr aus, ebenso die Kompositionsaufträge, und er spielte kaum noch öffentlich. Der "Figaro" war beim Publikum nicht angekommen, man konnte mit seiner Art zu komponieren nicht mehr viel anfangen, warf ihm die "düstere Schwere" vor. Die Verleger legten ihm nahe, Leichteres zu schreiben. Er wurde gemieden und übergangen, verlor den Boden unter den Füßen. Im Herbst 1990 wurde er zwar noch von dem englischen Konzertagenten Solomon und dem Londoner Opernunternehmer O'Reilly nach London zu Konzerten eingeladen und das voraussichtliche Einkommen versprach hoch zu werden, doch Mozart konnte die Reisekosten nicht auftreiben.

Der späte Zeitpunkt des Entstehens des letzten Klavierkonzerts wurde gerne zum Anlass genommen, darin schon den Schatten des drohenden Endes zu sehen. Man verwies auf eine resignative Stimmung und einen Ton des Abschieds, der in diesem Klavierkonzert vorherrschend sei und der in den ständigen, zuweilen abrupten Wechseln zwischen Dur und Moll im ersten Satz und im gefasst elegischen Charakter des zweiten deutlich werde. Einiges mag für diesen Befund sprechen. Es wäre aber wohl überzogen, dies mit dem Sonderstatus eines letzten Werkes in Verbindung zu bringen. Wie viele Werke von expressiver Tiefe sind schon vorher entstanden, wie oft hat Mozart zuvor in seinen Opern dem Schmerz und der Sehnsucht, der Liebe und ihrer Bedrohung tiefen Ausdruck verliehen. Dies ergibt sich aber nirgends aus seiner persönlichen Gefühlslage oder aus seiner Befindlichkeit. Die Intensität des Konzerts rührt daher sicher nicht aus einer Todesahnung, sondern ist ganz wesentlich auf die Struktur und den reifen Stil zurückzuführen. Dem in der Besetzung reduzierten Orchester, ohne Trompeten und Pauken, tritt ein Solopart gegenüber, der weniger auf spektakuläre Virtuosität setzt. Auf starke Themenkontraste wird zugunsten einer inneren Einheit der Komposition verzichtet; das Konzert zeichnet sich durch die Sparsamkeit der thematischen und harmonischen Mittel aus. Hierdurch wirkt es in gewisser Weise entschlackt und gewinnt dadurch an Klarheit und Ausdruckskraft. Schon die ersten Takte des Orchesters entwickeln sich eher verhalten, fast zaghaft, und das Klavier setzt schließlich ohne großen Aplomb ein. Das liedhafte Thema des Rondos verwendete Mozart gleich in seiner nächsten Komposition als Melodie eines Liedes mit dem Titel "Sehnsucht nach dem Frühling" (KV 596) - es hat unter dem Titel "Komm' lieber Mai und mache" einen festen Platz im Volksliedgut gefunden. - Die Uraufführung des Klavierkonzerts im Privatkonzert des Klarinettisten Joseph Bähr am 4.3.1791 war zugleich Mozarts letztes öffentliches Konzert.