Richard Strauss wurde 1864 in München als Sohn des Ersten Hornisten der Königlich-Bayrischen Hofkapelle geboren. Der Waldhornvirtuose Franz Strauss genoss einen hervorragenden Ruf und galt als bester Hornist seiner Zeit, der übrigens auch selbst komponierte. So sog der kleine Richard den Waldhornklang quasi schon mit der Muttermilch ein und lernte früh alle spieltechnischen Finessen, Ausdrucks- und Klangmöglichkeiten dieses Instruments kennen. So kam es, dass er dem Vater zu seinem 60. Geburtstag ein selbstkomponiertes Hornkonzert auf den Gabentisch legte, das weit mehr ist als die erstaunliche Talentprobe eines gerade mal 18jährigen.

Schon früh hatte er von den Musikerkollegen seines Vaters Unterricht im Klavier- und Violinspiel sowie in Komposition erhalten, auch bereits im Alter von sechs Jahren erste Kompositionsversuche unternommen, für die er seine Schulhefte nutzte. Noch während seiner Schulzeit wurden einige seiner Kompositionen öffentlich aufgeführt. Trotzdem begann er nach dem Abitur in seiner Heimatstadt München zunächst ein Philosophiestudium, das er allerdings schon nach einem Semester abbrach, um sich ganz der Musik widmen zu können. In Hans von Bülow fand er wenig später einen Mentor, der ihm eine Stelle als 2. Kapellmeister der Hofkapelle in Meiningen vermittelte, und schon bald wurde er mit der Leitung der Hofkapelle betraut. Obgleich er nie ein Konservatorium besuchte, begann nun seine unaufhaltsame Karriere als Komponist und Dirigent.

Berühmt wurde Strauss durch seine sinfonischen Dichtungen, doch die ersten 15 opus-Zahlen waren noch der Absoluten Musik gewidmet. Die Zeit war geprägt von der teils erbitterten Fehde zwischen "Wagnerianern" und "Brahmsianern". Damals brachen grundsätzliche ästhetische Gegensätze auf mit weitreichenden Folgen für die gesamte Musikentwicklung. Wagners Idee des Gesamtkunstwerkes unter Einbeziehung außermusikalischer Parameter und Inhalte stand einer sehr sachlichen, form- und materialorientierten Haltung gegenüber. Im Hause Strauss schätzte man Wagner nicht. Es heißt, dass sich 1883 angesichts der Nachricht vom Tode Richard Wagners sämtliche Orchestermusiker während einer Probe zu Ehren des Toten erhoben - bis auf den Solohornisten Franz Strauss! Der wusste damals freilich noch nicht, dass gerade sein Sohn einmal mit seinen großen Tondichtungen das Erbe des verstorbenen Meisters antreten würde. Vater Strauss tat zwar alles, um seinem Sohn eine Ablehnung der Werke Wagners anzuerziehen, doch genau diese übten den wohl größten Einfluss auf ihn aus. Auch Hans von Bülow führte den jungen Strauss an die Klangwelt Wagners heran, der im 19. Jahrhundert die Möglichkeiten des um 1820 entwickelten Ventilhorns ausreizte.

Das erste Hornkonzert ist jedoch noch ganz auf die stilistischen Orientierung des Elternhauses ausgerichtet. Das Werk - in der günstigen Horn-Tonart Es-Dur angesiedelt - weist zwar das traditionelle dreisätzige Schema schnell-langsam-schnell auf, doch ist die streng klassische Form durch die nahtlose attacca-Verbindung der Sätze bereits verwischt, wodurch eine Tendenz zur Einheit und Geschlossenheit entsteht. Auch erweist sich Strauss bereits als begnadeter Melodiker. Beide Themen des ersten Satzes sind weitgespannte Kantilenen, die durch eine rhythmische Entwicklung kontrastiert werden. Das Andante ist eine hochromantische, klangsinnliche, jedoch in düsteren Farben gehaltene Komposition, welche einen starken Kontrast zu den Rahmensätzen darstellt, im mittleren Dur-Teil mit bewegterem Gestus jedoch eine deutliche Aufhellung erfährt. Der Finalsatz steht ganz in der Tradition klassischer Jagdstücke. Die auf Dreiklangsbrechungen basierende Melodik knüpft deutlich an den fanfarenartigen Einleitungsruf des Stirnsatzes an und schafft auf diese Weise eine satzübergreifende Verklammerung. Das Rondo mit seiner bravourösen stretta verlangt vom Solisten die Präsentation der technischen Finessen seines Instrumentes in allen seinen Lagen.

Kein Geringerer als Hans von Bülow brachte das Konzert 1885 mit der Meininger Hofkapelle zur Uraufführung. Schon nach diesem Konzert wurde das überragende Talent und die bereits ausgeprägte sehr persönliche Tonsprache des jungen Komponisten deutlich erkannt und gerühmt.